Erektionsstörungen - Erektile Dysfunktion (ED)


Allgemeines zu Erektionsstörungen

Die erektile Dysfunktion (ED) ist eine häufige sexuelle Funktionsstörung. Unter der erektilen Dysfunktion versteht man die fortwährende Unfähigkeit, eine penile Erektion zu erlangen bzw. diese für einen befriedigenden Geschlechtsverkehr aufrecht zu halten (NIH Consense Conference 1993). Dies kann die Lebensqualität der betroffenen Männer und ihrer Partnerinnen beeinträchtigen. Obwohl die ED in der Regel meist mit älteren Männern in Verbindung gebracht wird, betrifft sie einen signifikanten Prozentsatz aller Männer ab dem mittleren Alter.


Epidemiologie der Erektionsstörungen

Epidemiologische Daten zeigen eine hohe Inzidenz der ED weltweit. Die Massachusetts Male Aging Studie (MMAS) berichtete über eine Prävalenz der ED von 52% bei Männern im 40.-70. Lebensjahr. In einer cross-sectional real-life Studie bei Männern, die das erste Mal ärztlichen Rat wegen einer erstmals auftretenden ED suchten, zeigte sich, dass einer von vier Patienten unter 40 Jahren und beinahe 50% aller jungen Männer über erhebliche Erektionsprobleme klagten.


Riskofaktoren der Erektionsstörungen

  • Übergewicht, Diabetes mellitus, Dyslipidämie, Metabolisches Syndrom, Bewegungsmangel, Rauchen
  • Schlaf-Apnoe-Syndrom
  • Hyperchromocysteinämie und chronisches Leberversagen
  • Vitamin-D-Mangel
  • BPH (Prostatavergrößerung)
  • Chronische Prostatitis und chronisches Beckenbodenschmerzsyndrom (CPPS)
  • Chronische entzündliche Darmerkrankung
  • Psoriasis und Psoriasis Arthritis
  • Transrektale Prostatabiopsie

 


Ursachen der erektilen Dysfunktion

Bei den Ursachen werden grundsätzlich folgende Formen unterschieden:

 

1. Organische Ursachen

  • Venöses Leck
  • Bandscheibenvorfälle im Lendenwirbelbereich
  • Atherosklerose
  • Diabetes mellitus
  • Schwellkörperfibrose (z.B. nach Priapismus)
  • Testosteronmangel

2. Psychische Ursachen

  • Stress im beruflichen oder privaten Umfeld
  • Konflikte in der Partnerschaft
  • Leistungsdruck und Versagensängste
  • Angsterkrankungen
  • Depressionen
  • Persönlichkeitsstörungen
  • Traumatische sexuelle Erfahrungen

3. Andere Ursachen

  • Medikamente (b-Blocker, Lipidsenker, Antidepressiva, Antiepileptika, Antiandrogene, 5-ARI, etc.)
  • Drogen, Alkohol, Nikotinabusus
  • Unfall/Fraktur im kleinen Becken
  • Operationen im Bereich der Harnröhre, Prostata, Samenblase, Harnblase, Rektum. Sigma.
  • Bestrahlung im kleinen Becken

Diagnostik

  • Laborwerte (HbA1c, Lipidprofil, Gesamt-Testosteron, bioverfügbares Testosteron und freies Testosteron, CRP, Procalcitonin, PSA-Wert, Prolaktin, LH, FSH
  • Duplex Ultraschall des Penis (peak systolic blood flow > 30 cm/s, end-diastolic velocity of < 3 cm/s und ein resistance index > 0.8 gilt als normal)

Einzige dauerhafte Therapie der erektilen Dysfunktion ist die ESWT

Stosswellen sind energiereiche Schallwellen, die ursprünglich nur zur Zertrümmerung von Nierensteinen als ESWL seit 1980 (extrakorporale Stoßwellenlithotripsie - Prof. Chaussy) eingesetzt werden. Neben der Nierensteintherapie sind diese Stoßwellen in der Orthopädie als effiziente Schmerztherapie im Einsatz. Seit 2010 werden die Stoßwellen auch zur Behandlung der gefässbedingten erektilen Dysfunktion (ED) entwickelt. Stosswellen stimulieren neben der Durchblutung auch die Neubildung von Kapillargefässen (Angiogenese). Vor allem die Ausschüttung von eNOS (endotheliale Stickstoff-monoxid-Synthase) und VEGF (vaskulärer Endothelwachs-

tumsfaktor) wird durch Stosswellen gefördert. 

Wissenschaftliche Studien haben die Wirksamkeit nieder-

energetischer (low-intensity) fokussierter Stosswellen (LiEWST) in der Behandlung der Erektionsstörungen nachgewiesen und das als nicht-invasives Verfahren mit kurzen Behandlungszeiten, bei dem eine Anästhesie nicht erforderlich ist.

Mehrere systematische Reviews mit der höchsten Evidenzstufe gemäss dem Oxford Centre for Evidence-based Medicine kamen zu dem Schluss, dass die LiESWT zur einer Verbesserung der ED auf Grundlage der Messung des IIEF (International Index of Erectile Function) und des EHS (Erection Hardness Score) führt. Laut eines systematischen Reviews, das 14 Studien mit insgesamt 833 Patienten zum Gegenstand hatte, birgt die LiESWT »unter Umständen das Potenzial, für ED-Patienten die nicht-invasive Behandlung der ersten Wahl darzustellen«. Eine prospektive, randomisierte, placebo-kontrollierte Doppelblind-Studie wies nach, dass 57 % der mit LiESWT behandelten Männer in der Lage waren, nach der Therapie ohne Medikamente eine Erektion zu erlangen und Geschlechtsverkehr zu haben. Eine in Australien durchge-führte Studie untersuchte die Wirksamkeit, Sicherheit und Patientenzufriedenheit nach erfolgter LiESWT: Die meisten Patienten berichteten von einer Verbesserung des IIEF-5-Scores um 5 Punkte (60 %) und des EDITS-Scores (Erectile Dysfunction Inventory of Treatment Satisfaction) um über 50 Punkte (70 %).